{"id":306,"date":"1902-05-03T17:27:03","date_gmt":"1902-05-03T17:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/moenchipedia.ch\/?p=306"},"modified":"2019-01-29T14:19:25","modified_gmt":"2019-01-29T14:19:25","slug":"1100-jahre-kirche-moenchaltorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moenchipedia.ch\/?p=306","title":{"rendered":"1100 Jahre Kirche M\u00f6nchaltorf"},"content":{"rendered":"<p><!--more-->1100 JAHRE KIRCHE M&Ouml;NCHALTORF<\/p>\n<p>Am 3. Mai im Jahre 902, einem Dienstag, hat ein junger M&ouml;nch des Klosters St. Gallen, der Gemeindehelfer Elolf, ein Dokument aufgesetzt. Es handelt sich um eine Verschreibung. Landfried, ein grosser alemannischer Landbesitzer, &uuml;bertrug dem Kloster St. Gallen alle Geb&auml;ude, &Auml;cker, Wiesen, Felder, Weiden, Gew&auml;sser und W&auml;lder, gleich ob kultiviert oder unkultiviert, die er in der Ustermer March besass.<br>\nWarum er das gemacht hat ist aus dem Dokument nicht ersichtlich, aber solche guten Werke waren nach damaligem Glauben f&uuml;r das Seelenheil nach dem Tod sehr g&uuml;nstig f&uuml;r den Spender und seine Angeh&ouml;rigen. Allerdings waren oft auch wirtschaftliche &Uuml;berlegungen ausschlaggebend. Als freier Mann und Landbesitzer war er dem K&ouml;nig gegen&uuml;ber zum pers&ouml;nlichen Kriegsdienst verpflichtet. Mit der &Uuml;bergabe des Landes ans Kloster fiel diese Pflicht dahin.<br>\nAusgenommen von dieser Verschreibung war nur der kleine Besitz in Riedikon. Diesen Besitz hatte er offenbar schon anderweitig vermacht und nutzte ihn nun als Lehen. F&uuml;r dieses Lehen bezahlte Landfried j&auml;hrlich einen Batzen Zins, und zwar an die Kirche, die in Altdorf hingestellt worden ist, wie es in der Chronik heisst. Dieser kleine Nebensatz ist die erste schriftliche Erw&auml;hnung unserer Kirche und bekanntlich existiert etwas erst dann, wenn es schriftlich festgehalten wird.<br>\nDie Verschreibung des Landfried, die &uuml;brigens au&szlig;er ihm selbst noch von 18 Zeugen besiegelt und vom M&ouml;nch unterschrieben wurde ist hier im Dorf, wahrscheinlich im Hof des Klosters entstanden. Dieser Hof war gross und sehr bedeutend. Er war das regionale Zentrum aller G&uuml;ter die dem St. Galler Kloster geh&ouml;rten. Das Verwaltungsgeb&ouml;ude befand sich wahrscheinlich am alten Dorfplatz neben der Kirche, denn im Hause Brunnenweg 1 sind im Kellergeschoss Mauerreste aus der Zeit vorhanden<br>\nWir wissen nun mit Sicherheit, dass 902 hier eine Kirche bestand. Aber wie lange stand sie schon? Wahrscheinlich war sie eben erst gebaut worden. Der ehemalige Sekundarlehrer Paul Hess hat in seiner Schrift &uuml;ber die M&ouml;nchaltorfer Kirchen die Beweisf&uuml;hrung versucht, dass diese Kirche in den Jahren von ca. 900 bis 902 gebaut wurde. Aber war das wirklich die erste Kirche in M&ouml;nchaltorf?<br>\nIm Jahre 1958, war wieder einmal eine Gesamtrenovation der Kirche f&auml;llig. Das bot Paul Hess die Gelegenheit zu arch&auml;ologischen Untersuchungen, die er zusammen mit Prof. Dr. Paul Kl&auml;ui sehr gr&uuml;ndlich durchf&uuml;hrte.<br>\nSowohl in Chor als auch im Kirchenschiff wurden Sondiergr&auml;ben ausgehoben und man wurde bald f&uuml;ndig. Unter dem Chor in ca. 1 Meter Tiefe stie&szlig;en die Arbeiter auf Teile von menschlichen Skeletten. Dieser Platz war bei der ersten Kirche noch nicht &uuml;berbaut, sondern wurde als Friedhof benutzt. Sehr aufschlussreich erwiesen sich die Grabungen im Kirchenschiff, denn man fand die Fundamente der Kirche aus dem 10. Jahrhundert, deren Existenz laut den Dokumenten aus den Archiven des Klosters St. Gallen zwar bekannt war, &uuml;ber deren Standort jedoch Unsicherheit herrschte.<br>\nDiese erste Kirche war als Saalkirche ohne Turm im karolingischen Stil erbaut worden. Das Aussenmass betrug lediglich ca. 7.50 x 12.50 m. Nord- und s&uuml;dseitig ber&uuml;hrten die Aussenmauern die heutigen Innenmauern. Die Westseite reichte bis ca. zur Mitte der Empore und der &ouml;stliche Abschluss ist identisch mit der heutigen Chormauer. Wenn man bedenkt, dass ca. ein Drittel f&uuml;r den Altarraum reserviert war, bleibt wirklich nur ein kleiner Raum f&uuml;r die Gl&auml;ubigen. Offenbar hat es aber gereicht f&uuml;r die ganze damalige Dorfbev&ouml;lkerung.<br>\nM&ouml;glicherweise wurde die Kirche sogar durch den damaligen Abt von St. Gallen, Salomo, der gleichzeitig Bischof von Konstanz war, geweiht, denn im Jahr 902 ist sein Aufenthalt in M&ouml;nchaltorf schriftlich belegt. Ganz sicher ist jedenfalls, dass das Gotteshaus den St. Galler Heiligen Gallus und Otmar geweiht wurde und auch mit entsprechenden Reliquien ausgestattet war.<br>\nDie Arch&auml;ologen fanden 1958 die Kirche aus dem 10. Jahrhundert und das war die erste an diesem Standort, aber ob das wirklich die erste Kirche in der Gemeinde war, darf bezweifelt werden.<br>\nAnfangs des 1. Jahrtausends lebten hier Kelten, die sich mit den herrschenden R&ouml;mern vermischten und deren Sprache und Kultur &uuml;bernahmen. Aus dieser Zeit existieren kaum Funde aus unserer Gemeinde, obwohl die Gegend sicher besiedelt war. Im 4. Jahrhundert fasste das Christentum Fuss auch in den r&ouml;mischen Siedlungen der Nordschweiz. Bischofsitze entstanden in Kaiseraugst, Vindonissa, Genf, Martigny und Chur.<br>\nDie Macht des r&ouml;mischen Reiches verfiel aus verschiedenen Gr&uuml;nden aber immer mehr. Rom war nicht mehr f&auml;hig, das ganze riesige Imperium zu verteidigen. Kurz nach dem Jahr 400 wurden alle Soldaten und Schutztruppen n&ouml;rdlich der Alpen nach Italien zur&uuml;ckgezogen. Auch die Reichen und die Elite verlie&szlig;en das unverteidigte und schutzlose Land. Eine immer kleiner werdende Bev&ouml;lkerung dr&auml;ngte sich um die verlassenen Kastelle zusammen. Rom wankte, aber es war noch nicht am Ende. Es dauerte noch bis 476 ehe es durch die Ostgoten erobert wurde. Das Erbe des westr&ouml;mischen Reiches fiel aber schliesslich am Ende der V&ouml;lkerwanderung den Franken zu, w&auml;hrend, Ostrom oder Konstantinopel noch weitere 1000 Jahre l&auml;nger bl&uuml;hte.<br>\nDas Gebiet der Nordostschweiz wurde ab dem 6. Jahrhundert von S&uuml;ddeutschland aus durch die Alemannen besiedelt. Wir haben uns diesen Proze&szlig; kaum als kriegerisches Ereignis vorzustellen. Es war wohl eher so, dass in mehreren Migrationswellen leeres, brachliegendes Land in Besitz genommen wurde.<br>\nDie Einwanderer waren Bauern. Sie mieden die noch vorhandenen r&ouml;mischen St&auml;dte und gr&uuml;ndeten Hofsiedlungen, die meist nach dem ersten Besitzer benannt wurden. Diese D&ouml;rfer haben Namen die auf &ndash;kon, -ingen, oder &ndash;wil enden. In M&ouml;nchaltorf oder Altorf wie es fr&uuml;her hiess, fanden sie aber offenbar bereits eine d&ouml;rfliche Siedlung mit romanischem oder gar helvetischem Ursprung vor.<br>\nDiese ersten Siedler waren von sehr unterschiedlichem Stande. Einerseits gab es freie Bauern, daneben bestand aber auch eine Adelsschicht, die grosse G&uuml;ter von Leibeigenen und Knechten bewirtschaften liessen. Gebaut wurde grunds&auml;tzlich ausschlie&szlig;lich aus Holz, darum sind arch&auml;ologische Funde von H&auml;usern aus der Zeit sehr selten. An einigen Stellen konnten jedoch Pfostenl&ouml;cher im Erdboden nachgewiesen werden. Die zuverl&auml;ssigsten Zeugnisse aus dieser Zeit wurden in Gr&auml;bern mit teilweise reichen Beigaben gefunden.. Auch in M&ouml;nchaltorf sind solche Alemannengr&auml;ber bekannt und zwar beim so genannten Hexenplatz oberhalb der Neum&uuml;hle. Diese Gr&auml;ber sind jedoch nie wissenschaftlich untersucht worden.<br>\nDie Alemannen der ersten Stunde bekannten sich noch zur Germanischen Religion, das hei&szlig;t zum Glauben an Wotan und Walhalla, w&auml;hrend die fr&auml;nkischen Oberherren sich bereits zum Christentum bekehrt hatten. Diese neue Religion wurde auch den Alemannen allm&auml;hlich durch Irische Wanderm&ouml;nche vermitteltet. Wir alle kennen die Geschichten von Columban, Gallus und ihren Gef&auml;hrten. Aus kleinen Einsiedeleien von einzelnen M&ouml;nchen entwickelten sich Kl&ouml;ster, die durch Schenkungen und Vergabungen rasch wuchsen und die f&uuml;r die kulturelle und &ouml;konomische Entwicklung des Landes bald ungeheuer wichtig wurden.<br>\n1991 haben wir 1250 Jahre M&ouml;nchaltorf gefeiert. Wir kennen die Schenkungsurkunden von 741 und 744. Durch Landbert und Beata, H&auml;upter einer reichen alemannischen Sippe, kam 744 unser Dorf f&uuml;r mehrere Jahrhunderte ans Kloster St. Gallen.<br>\nIn diesen Urkunden wird neben Land und 80 Leibeigenen auch bereits eine Cella, also eine Zelle &ndash; M&ouml;nchsunterkunft oder ein Bethaus erw&auml;hnt. Diese Cella war jedoch nicht am Standort der heutigen Kirche zu finden sondern befand sich wohl ausserhalb der Siedlung.<br>\nBisher wurden keine Spuren davon gefunden aber wir d&uuml;rfen annehmen, dass die Ortsbezeichnung Kilchli f&uuml;r das Geh&ouml;ft an der Lindhofstrasse auf diese erste kirchliche Baute zur&uuml;ckgeht. Auch der ehemalige Bauernhof gleich nebenan tr&auml;gt einen Namen aus dieser Zeit. H&auml;nsler ist die Verkleinerungsform von Johannisliara, was soviel heisst wie der Acker des Johannes, denn Johannes der T&auml;ufer war h&ouml;chstwahrscheinlich der Schutzpatron jener kleinen Kirche und der Acker des Johannes geh&ouml;rte eben zu jenem Kirchlein.<br>\nWir wissen, dass in der Mitte des 8. Jahrhunderts bereits eine kirchliche Versorgung des Dorfes bestand und d&uuml;rfen sicher annehmen, dass das Kloster seine Untertanen in dieser Beziehung weiterhin gut versorgte und nicht wieder ins Heidentum zur&uuml;ckfallen lie&szlig;. Die Bezeichnung Kirchlein deutet &uuml;brigens darauf hin, dass diese Verkleinerungsform erst dann entstand, als die neue, gr&ouml;ssere Kirche stand und die &auml;ltere klein vorkam daneben.<br>\nKommen wir wieder zur&uuml;ck auf die Kirche an diesem Standort. Die um 900 gebaute Kirche hatte 200 Jahre Bestand. Um das Jahr 1100 war auf religi&ouml;sem Gebiet sehr viel los. Der 1. Kreuzzug von 1096 bis 1099 zur Befreiung Jerusalems von den Heiden auf der einen, die Erneuerung des Glaubens, ausgehend von der Abtei Cluny auf der anderen Seite f&uuml;hrte zu zahlreichen Kirchenbauten.<br>\nVielleicht war das Dorf auch gewachsen und die alte karolingische Kirche zu klein geworden. Auf jeden Fall wurden die alten Mauern bis auf das Fundament abgetragen und ein Neubau im romanischen Baustil erstellt. Das Kirchenschiff wurde auf der Ostseite um den Chor erweitert und neu dazu kam der Glockenturm mit einem K&auml;sbissendach. Das ist ein einfaches Satteldach mit nord &ndash; s&uuml;d Neigung ohne Verzierungst&uuml;rmchen. An der S&uuml;dwand des Chors in der Ecke zum Turm befand sich noch ein Beinhaus.<br>\nWarum wissen wir heute, wie jene romanische Kirche ausgesehen hat? Es bestehen noch einige wenige Bauten aus jener Zeit, sodass man R&uuml;ckschl&uuml;sse ziehen kann. Es wurden aber auch einige Bruchst&uuml;cke von Bauteilen gefunden. Als bei den Renovationen im 20. Jahrhundert der ganze Putz entfernt wurde zeigte sich, dass die Mauern der jetzigen Kirche aus Gr&uuml;nden der Sparsamkeit und Geldnot aus den Bruchst&uuml;cken der Vorg&auml;ngerkirche hochgezogen wurden. Das wichtigste St&uuml;ck das zum Vorschein kam war der Fuss einer Halbs&auml;ule, die im Chor gestanden haben muss. Sozusagen identische S&auml;ulen sind heute noch zu besichtigen in der Krypta des Grossm&uuml;nsters in Z&uuml;rich, wo gleichzeitig gebaut wurde. Die Art der Ausf&uuml;hrung ist dermassen verbl&uuml;ffend &auml;hnlich, dass man sich sogar vorstellen kann, dass die gleichen Steinmetze an beiden Bauten beteiligt waren.<br>\nUm 1253 verkaufte das Kloster St. Gallen seinen Hof und alle G&uuml;ter in M&ouml;nchaltorf. Dadurch verlor das Dorf viel von seiner Bedeutung. Die Kirche verlor ihre Selbst&auml;ndigkeit und wurde eine Filialkirche von Egg. Nach verschiedenen Handwechseln, das Gebiet geh&ouml;rte auch mal den Grafen von Kyburg und den Habsburgern, gelangte es schliesslich mit der ganzen Herrschaft Gr&uuml;nigen in den Besitz der Stadt Z&uuml;rich.<br>\nIn der 2. H&auml;lfte des 15. Jahrhunderts brach ein richtiges Kirchenbaufieber &uuml;ber das Gebiet der Herrschaft Z&uuml;rich herein. Das religi&ouml;se Leben jener Zeit gleicht im R&uuml;ckblick den Riten eines fremden Volkes. Es war die Zeit der grossen Pestz&uuml;ge, wo manchmal ganze Siedlungen in k&uuml;rzester Zeit fast ausgel&ouml;scht wurden und es war auch die Zeit der Hexenprozesse, die allerdings in unserer Gegend nicht die gleiche Intensit&auml;t hatten wie in anderen Gebieten.<br>\nDie sp&auml;tmittelalterlichen Fr&ouml;mmigkeitsformen m&uuml;ssen uns heute exotisch vorkommen. Es geht dabei nicht um den Unterschied der Konfessionen. Protestanten und Katholiken sind heute beide etwa gleich weit entfernt von den damaligen Gepflogenheiten. Die geistige Fixierung auf Teufelsglauben und Strafen im Jenseits war allgegenw&auml;rtig und die m&ouml;gliche Erl&ouml;sung durch den Ablass und gute Taten war eine allgemein anerkannte Tatsache. &Uuml;berall. Auf Schritt und Tritt wurden Bildst&ouml;cke aufgestellt, neue Kapellen wurden errichtet und bestehende Kirchen um neue Alt&auml;re bereichert.<br>\nEtwa um 1470 begann eine Serien von Kirchenneubauten, die bis zur Reformation anhielt. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass diese Neubauten nicht von einer Elite gew&uuml;nscht wurden, sondern das einfache Volk wollte sie und war auch zu gr&ouml;ssten finanziellen Opfern bereit. Neben den Kirchenbausteuern flossen auch reichlich freiwillige Spenden, Zur Finanzierung wurden Bettelbriefe an die zust&auml;ndigen Kl&ouml;ster verschickt und nat&uuml;rlich auch an die gn&auml;digen Herren der Stadt Z&uuml;rich. Viele Arbeiten wurden auch im Frondienst von den Bauern geleistet. Daneben bem&uuml;hten sich die Kirchenbaugemeinden auch regelm&auml;ssig um einen Ablassbrief. Das hei&szlig;t man konnte sich oder seine Angeh&ouml;rigen f&uuml;r einen bestimmten Betrag f&uuml;r eine gewisse Zeit vom Fegefeuer loskaufen und der Erl&ouml;s dieses Ablasses floss in den Kirchenbaufonds.<br>\nIn M&ouml;nchaltorf muss der Wunsch nach einem Neubau besonders gross gewesen sein. Wir wissen, dass M&ouml;nchaltorf eine Filialkirche von Egg war. Es wurde in dieser Kirche wohl jeden Sonntag gepredigt. An hohen Feiertagen wie Ostern Weihnachten usw. musste jedoch die ganze Bev&ouml;lkerung nach Egg und das gleiche galt f&uuml;r die heiligen Sakramenten wie die Taufe.<br>\nEgg baute von 1493 bis 1495 eine neue Kirche, Die ist in der Zwischenzeit schon wieder ersetzt worden. Selbstverst&auml;ndlich mussten auch die M&ouml;nchaltorfer ihren Teil dazu beitragen und trotzdem wollten sie auch ihre eigene Kirche erneuern.<br>\nWohl wegen der grossen finanziellen Last konnte der Neubau in M&ouml;nchaltorf nur in Etappen ausgef&uuml;hrt werden. Bereits 1487\/88 wurde der Chor der romanischen Kirche abgerissen und auf den alten Fundamenten durch einen schlichten Neubau im sp&auml;tgotischen Stil ersetzt. Der Turm wurde 1517 erneuert, ebenfalls auf dem romanischen Fundament und die Bauzeit f&uuml;r das vergr&ouml;sserte Kirchenschiff datiert schliesslich 1519 bis 1522.<br>\nDer ganze Bau wurde zum gr&ouml;ssten Teil aus Abbruchmaterial der Vorg&auml;ngerkirche ausgef&uuml;hrt und trotzdem m&uuml;ssen die Baukosten f&uuml;r die einfache und nicht zahlreiche Bev&ouml;lkerung eine sehr grosse Last bedeutet haben. Gespart wurde allenthalben, aber die Steinmetzarbeiten wurden in guter Qualit&auml;t ausgef&uuml;hrt, obwohl zu Masswerk Fenstern, wie sie in der Zeit &uuml;blich waren, reichte es nicht.<br>\nDer sch&ouml;nste Schmuck der Kirche war und ist jedoch die vom Tischmacher Ulrich Schmid ausgef&uuml;hrte Holzdecke mit kunstvollen Flachschnitzereien. Diese Kirchendecke war nicht die erste, die Schmid ausf&uuml;hrte. Schon in Lindau und D&uuml;rnten hatte er &auml;hnliche Arbeiten erstellt. Die Lindauer Decke existiert nicht mehr am Ort, Teile davon k&ouml;nnen im Landesmuseum in Z&uuml;rich bewundert werden. Die Arbeit in D&uuml;rnten ist jedoch ebenfalls noch original erhalten.<br>\nDie wunderbare Schnitzarbeit wurde jedoch nicht zu allen Zeiten gleich gesch&auml;tzt. Im 19. Jahrhundert fielen einige dieser geschnitzten Decken der Spitzhacke zum Opfer. In M&ouml;nchaltorf jedoch entschloss man sich zu einer umfassenden Renovation denn die Holzdielen des Dachraums mussten ersetzt werden. Die Eidgenossenschaft zahlte einen ansehnlichen Beitrag und stellte die Kirche daf&uuml;r unter Bundesschutz.<br>\nW&auml;hrend der Bauzeit der Kirche entwickelte sich die Reformation in Z&uuml;rich. 1519 begann Huldrych Zwingli vom Grossm&uuml;nster aus auf eine ganz neue Art zu predigen. Die neuen Gedanken f&uuml;hrten in kurzer Zeit zu einem Umbruch der ganzen Lebensformen. Die Menschen begannen, sich selbst und ihre Umwelt mit anderen Augen wahrzunehmen. Im religi&ouml;sen Bereich bedeutete die Reformation eine Abkehr von aller Prachtentfaltung und allen &Auml;u&szlig;erlichkeiten. Nur die Worte des Evangeliums sollten Platz haben in der Kirche. Die gleichen Menschen, die eben erst noch ihr sauer verdientes Geld f&uuml;r kunstvolle Alt&auml;re, prachtvolle Bilder und Heiligenstatuen sowie reiche Messgew&auml;nder gestiftet hatten, zerst&ouml;rten nun diese Kunstsch&auml;tze eigenh&auml;ndig. Kirchenplunder nannte man das absch&auml;tzig.<br>\nIn M&ouml;nchaltorf d&uuml;rfte das jedoch kaum de Fall gewesen sein. Noch w&auml;hrend der Bauzeit hatte der gedankliche Umschwung eingesetzt, sodass es gar nicht mehr zu Neuanschaffungen kam. Sowohl in Kirche und Chor blieben die W&auml;nde weiss w&auml;hrend in allen anderen Kirchen die fr&uuml;her erstellt worden waren die zum Teil sehr sch&ouml;nen Bilderzyklen &uuml;bert&uuml;ncht wurden und in den letzten Jahren mit grossem Einsatz wieder freigelegt werden konnten.<br>\nSogar der Kirchengesang wurde verboten. Obwohl Zwingli selbst ein hervorragender Musiker war, war er der Meinung, der Gesang lenke die Kirchenbesucher vom wesentlichen ab. Damit hat er sicher weit &uuml;ber das Ziel hinausgeschossen.<br>\nM&ouml;nchaltorf hatte jetzt wohl eine neue Kirche, aber eine selbst&auml;ndige Pfarrgemeinde war es noch lange nicht. Das Filialverh&auml;ltnis mit Egg dauerte noch bis 1608. Die Jahreszahl auf dem Taufstein bezeugt, dass ab diesem Jahr auch hier getauft wurde. Ab 1609 versahen der Pfarrhelfer Stephan Knupp von Uster und seine Nachfolger die Seelsorgerstelle und predigten jeweils sonntags und dienstags. F&uuml;r einen der Nachfolger von Pfarrer Knupp, Hans Heinrich Ochsner, nahm diese Arbeit in M&ouml;nchaltorf &uuml;brigens ein tragisches Ende. Im Februar 1632 hatte er in M&ouml;nchaltorf eine Ehe eingesegnet, am Hochzeitsessen teilgenommen und vielleicht auch ein Glas Wein zuviel getrunken. Auf dem Heimweg durch das Ried glitt er auf einem vereisten Steg aus, fiel in einen sumpfigen Graben und erfror.<br>\n100 Jahre wurden die M&ouml;nchaltorfer von den Ustermer Pfarrhelfer betreut, bis dann 1709 endlich ein eigenes Pfarrhaus gebaut wurde und mit Pfarrer Ulrich Werdm&uuml;ller der erste eigene Pfarrer eingesetzt wurde.<br>\nSeit dem Neubau hat nat&uuml;rlich jede Generation ihre Renovationen und Umbauten an der Kirche vorgenommen. Der Turm musste um ein Stockwerk erh&ouml;ht werden um die vier Glocken gegen&uuml;ber zwei von fr&uuml;her aufzunehmen. Das Turmdach wurde ge&auml;ndert um Platz zu schaffen f&uuml;r vier Zifferbl&auml;tter der Uhr. Die Emporkirche wurde durch einen Innentreppe erschlossen gegen&uuml;ber dem Aussenaufgang wie er auf alten Bildern noch sichtbar ist. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch der letzte &Uuml;berrest der romanischen Kirche entfernt. Bis 1889 stand n&auml;mlich noch die alte Chormauer mit Rundbogen. Sie war beim etappenweisen Neubau einmal als Bestandteil des Kirchenschiffes und dann als Bestandteil des Chors stehen geblieben. Der damalige Architekt der Renovation ersetzte sie leider durch einen Spitzbogen.<br>\nDer Grundcharakter einer sp&auml;tgotischen schlichten Landkirche ist jedoch erhalten geblieben und sie steht seit dem letzten Umbau von 1998 heute sch&ouml;ner da als vielleicht je zuvor.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":33,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,8],"tags":[],"class_list":["post-306","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","category-kirche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/33"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=306"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/306\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":316,"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/306\/revisions\/316"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/moenchipedia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}